ResearchCreative Innovation

Kreativitätsförderung im Unternehmen

Autor: Tilman Segler

Zusammenfassung

Kreativität führt zu neuen Ideen, aus denen erfolgreiche Verbesserungen und Neuerungen, sogenannte „Innovationen“ erwachsen können. In „Kreativität“ klingt das Schöpferische des Neuen an, wahrend mit „Innovation“ das erfolgreiche Ergebnis eines Erneuerungsprozesses gemeint ist.

Innovationen verbessern sowohl die internen Strukturen und Prozesse, als auch die externen Leistungen jeder Unternehmung. Die Folge davon ist eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und eine erhöhte Wertschöpfung.

Mehr Wertschöpfung heißt, mehr Verteilungsspielraum in Form von Dividenden und Gratisaktien fur die Eigentümer, in Form von Lohnen, Gehaltern und Sozial-ausgaben fur die Mitarbeiter und in Form von Steuern fur die öffentliche Hand. Innovation bedeutet aber auch mehr Wert fur die Kunden. Denn die neuen oder verbesserten oder preiswerteren Produkte oder Leistungen bieten aus Sicht der Kaufer einen höheren Nutzen als die bisherigen Produkte.

Die neuen Produkte verkaufen sich besser und mit höheren Margen. Die Folge sind wachsende Marktanteile der innovativen Unternehmen und schrumpfende Marktanteile bei sich verkürzenden Margen fur die weniger Innovativen. Das Ziel zu überleben und zu wachsen fuhrt zu einem Innovationswettlauf der Unternehmen. Der Ausgang dieses Wettlaufs ist grundsätzlich unsicher. Eine Innovation von heute kann morgen bereits veraltet sein.

Ausblick

Es ist grundsätzlich möglich die Kreativität in einem Unternehmen erheblich zu verbessern, indem die beschriebene innerorganisatorische Konstellation aus Organisationsstruktur, Unternehmenskultur, Führungsstil und interner Kommunikation hergestellt wird. Dabei empfiehlt es sich zwei Erfahrungen aus der Praxis zu bedenken.

Erstens: Die Umwandlung von einem ideenlosen zu einem kreativen Unternehmen erfordert viel Zeit. Die Umsetzung der erforderlichen strukturellen Maßnahmen muss in der Regel Schritt für Schritt im Einklang mit dem Potenzial der vorhandenen Mitarbeiter erfolgen. Die entscheidende Schwierigkeit und Herausforderung, die letztlich auch für die Dauer des Prozesses verantwortlich ist, liegt darin, dass Einstellungen und Verhaltensweisen geändert werden müssen. Dies ist ein allmählicher und zeitraubender Prozess.

Innovative Instrumente zur Unterstützung von Einstellungs- und Verhaltensänderungen können zwar eine positive Entwicklung in Gang setzen, sie können jedoch nicht von heute auf morgen Unternehmenskultur und Führungsstil umwandeln. In den geforderten flacheren Strukturen müssen die Mitarbeiter täglich Kreativität, Verhandlungsgeschick, Problemlösungsfähigkeiten und Bereitschaft zu Verantwortung und Teamarbeit unter Beweis stellen. Einige vielleicht zum ersten Mal in ihrem beruflichen Leben. Das ist aber kein Grund zur Entmutigung.

Der eine oder andere Mitarbeiter, auch Führungskräfte, werden von sich aus das Unternehmen verlassen. Den meisten Mitarbeitern fällt die Umstellung leichter, als die Unternehmensleitung annimmt, da im Privatleben die gewünschte Sollkultur bereits gelebt wird.

Zweitens: Der Weg ist das Ziel. Die Kreativität eines Unternehmen zu steigern ist ein nicht endender Prozess und erfordert ein ständiges und diszipliniertes Bemühen, in dem nicht nachgelassen werden darf. Nur dann wird es gelingen, dem Ziel möglichst nahe zu kommen.

Source

Segler T. (2000) Kreativitätsförderung im Unternehmen. In: Holm-Hadulla R.M. (eds) Kreativität. Heidelberger Jahrbücher, vol 44. Springer, Berlin, Heidelberg, https://doi.org/10.1007/978-3-642-87237-2_6

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