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Was hat Innovation mit Emotion zu tun? Alles!

Innovation ist Veränderung. Veränderung ist lernen, etwas anders zu machen. Das Verständnis über den Einfluss von Emotionen auf das Lernen erlebte einen Paradigmenwechsel: Die neurowissenschaftliche Forschung der letzten zwei Jahrzehnte revidierte die bisherige Ansicht, dass Emotionen das Lernen beeinträchtigen. Sie wurde durch eine neue Sichtweise ersetzt: Emotionen, Denkprozesse und Lernen hängen unzertrennlich zusammen.

Aus neurobiologischer Sicht ist es praktisch unmöglich, sich ohne Emotionen etwas zu merken. Das gleiche gilt für komplexe Gedanken oder bedeutsame Entscheidungen. (Immordino-Yang 2016)

Die Frage, unter welchen Bedingungen unsere Gehirne am besten lernen, damit gelerntes auch im Kopf bleibt, führt zwangsläufig zu den Emotionen. Gehirne speichern nicht nur Lerninhalte, sondern auch den Lernkontext und rufen ihn auch wieder ab.

Wenn wir lernen, konstruieren wir Wirklichkeit

Unsere fünf Sinne sind praktisch ständig von einer Datenflut umgeben. Etwa eine Million Nervenfasern pro Auge übertragen rund eine Million Bildpunkte — und das bis zu 30-mal in der Sekunde. Damit diese Datenflut für unser bewusstes selbst überhaupt handhabbar bleibt, filtern bereits die Sinnesorgane und auch das Gehirn (R. Meier 2017, S.36).

Dabei werden die Daten analysiert, mit früher erlerntem Wissen verglichen und schließlich emotional bewertet. Was keine Relevanz hat, geht schnell wieder verloren. Fakten im Langzeitgedächtnis sind also nicht einfach nur Fakten, sondern sie sind eingebettet in einen Kontext aus Erfahrungen und verknüpft mit den Folgen und Ergebnissen früher getroffener Entscheidungen (Schulze/Kurt, 2017). Lernen bedeutet in diesem Sinne die (Neu-)Konstruktion unserer individuellen Wirklichkeit, die wir durch die Wahrnehmung ergänzen oder neu entwerfen.

Ereignisse, die emotional wichtig für einen Menschen sind, brennen sich in das Gedächtnis ein. (Jürgen Egle 2017)

Multiple Gedächtnisarten ansprechen

Die Tatsache, dass es mehrere Gedächtnisarten gibt ist nicht neu, wohl aber, wie diese Kenntnis für das Coaching, die Lehr-, Beratungs- und Unternehmenspraxis eingesetzt werden können (R. Meier 2017, S.88).

Inhaltliche Einteilung der 5 Langzeitgedächtnisformen

1. Episodisches Gedächtnis (Erfahrungen, Erlebnisse, Geschichten)
2. Wissensgedächtnis (semantisches G., Faktenwissen, Daten)
3. Prozedurales Gedächtnis (Routinehandlungen wie Autofahren, Schreiben)
4. Priming Gedächtnis (Spontane Zuordnung von Wahrnehmungen zu Erinnerungen)
5. Perzeptuelles Gedächtnis (Erkennen von Personen, Objekten ect.)

Die Gefühle und Emotionen spielen bei allen Gedächtnisarten eine tragende Rolle (Egle/Schweiger). Wenn wir uns an etwas erinnern, spulen wir nicht einfach nur die Fakten ab, sondern wir rekonstruieren die Tatsachen, Phänomene und Ereignisse neu, entsprechend unseren emotionalen Befindlichkeiten (episodisches Gedächtnis). Das aufgenommene Wissen unterliegt praktisch einem permanenten Rekonstruktionsprozess.

Fazit

Lernen wird erfolgreicher, wenn verschiedene Gedächtnisarten angesprochen und emotionale Anker gesetzt werden. Das kann durch Lerninhalte erreicht werden, die in Geschichten mit emotionalem Kontext verpackt werden (episodisches Gedächtnis). Simulationen, bei denen die Anwendung der Lerninhalte spielerisch erlebt wird sind eine weitere Möglichkeit. Lego Serious Play (LSP) ist ein bekanntes Beispiel. Selber erleben, emotional wahrnehmen und faktenreich selber erklären sorgen für nachhaltige Lernerlebnisse, die auch hängen bleiben.

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