Agile Innovation Framework

V 0.7, Frank Schultheiss


 

Zusammenfassung

Das Agile Innovation Framework ist ein System zur strukturierten Entwicklung von Innovationen.  Das Ziel der hier diskutierten Innovationen ist immer der Markterfolg und die Wertschöpfung. Da sich etwa 85% der Innovationsaktivitäten wiederholen, ist eine gewisse Innovationsstruktur erforderlich (Du Preez et al., 2006). Ein gut definierter Innovationsprozess bietet diese Struktur und die Basis für den Aufbau der Innovationsfähigkeit innerhalb eines Unternehmens.

Nach der Definition von Innovationsmodellen werden die historische Entwicklung und die konkreten Funktionen solcher Modelle kurz analysiert. Danach werden die Integration von Kanban und das Agile Innovation Framework selbst vorgestellt.

Definition und Ziele

Das Ziel eines Innovationsmodells ist die Entwicklung von Innovationen von der Idee bis zur Wertschöpfung in einem kontinuierlichen Prozess. Nachdem in der ersten Phase Ideen generiert und potenzielle Kandidaten identifiziert sind, folgt dann in der zweite Phase die Entwicklung und Markteinführung. Dieser Prozess dient Unternehmen dazu, kontinuierlich neue Produkte, Services oder Geschäftsmodelle zum Markterfolg führen.

Generationen und Entwicklung

Die Evolution der Innovationsprozesse ist in der Literatur umfangreich diskutiert worden (Rothwell 1994; Lercher, H 2017). Um das Agile Innovation Framework einzuordnen ist ein kurzer Überblick der Modellgenerationen sinnvoll: Nach den ersten sequentiellen Modellen, Technologie Push und Market Pull, folgte die Kombination der Konzepte, der Network Ansatz und Open Innovation.

Abb. 1: Generationen der Innovationsmodelle

Funktionen aktueller Innovationsmodelle

Die Anforderungen an ein Modell der sechsten Generation hat Taferner (2017) durch die folgenden Eigenschaften charakterisiert:

  • Process includes
    • idea generation
    • concept development and evaluation
    • development
    • implementation
  • the innovation is triggered by a technology push, market pull or a combination of those
  • interdisciplinary approach
  • organizational and systems integration (including external networking)
  • flatter and more flexible organizational structures, including devolved decision making
  • feedback loops
  • not only focused on product innovation but also service, process
  • implementing life circle view for products

Zusätzlich beschrieb Lercher (2017) die folgenden Features für das von ihm entwickelte Big Picture Modell:

  • the innovation strategy is embedded in the model
  • with the company’s vision and level of view
  • own section for finding innovation fields and gaps
  • including the necessary source of information
  • the four levels of innovation are included
  • model is very well structured, especially due to the stages and gates
  • own section for efficiency review.

Die Basis des Agile Innovation Frameworks

Auf dem Weg von der Idee bis zur Wertschöpfung durchlaufen Innovationen zwei Phasen. Nachdem in der ersten Phase Ideen generiert und potenzielle Kandidaten identifiziert sind, folgt dann in der zweiten Phase die Entwicklung und Markteinführung. Das Agile Innovation Framework bietet Methoden für beide Phasen, indem es einen strukturierten Innovationsprozess mit agilen Methoden verbindet. Das Rückgrat bilden dabei das Konzept des FUGLE Innovationsprozesses und ein Kanban ESP System.

Abbildung 2: Das FUGLE Innovationsprozess Model

In Bezug auf konkrete Arbeitsabläufe bleiben die bisherigen Innovationsmodelle abstrakt. Sie beschränken sich auf die definition der Prozessschritte, bietet aber keine Praktiken zur Steuerung der Arbeitsschritte. Durch die Verbindung mit Kanban ESP wird im Agile Innovation Framework eine konkrete Struktur für diese Arbeitsabläufe geschaffen.

Integrierte agile Vorgehensmodelle

Hinzu kommen weitere Methoden, wie Design Thinking oder Design Sprints, die in den unterschiedlichen Phasen des Innovationsprozesses eingesetzt werden. Die integrierten Methoden werden dabei nicht vermischt, sondern funktionieren mit ihren spezifischen Funktionen konsistent im Zusammenspiel.

Abbildung 3: Das Agile Innovation Framework

Integration von Rollen und Meetings

Durch die Integration der in sich konsistenten agilen Vorgehensmodelle bekommt das Agile Innovation Framework auch eine klare Struktur für Rollen, Artefakte und Meetings, wie die folgende Definition der Aktivitäten zum Betrieb und Optimierung des Arbeitsflusses zeigt.

Abb.4: Kanban ESP Meetings bzw. Aktivitäten

Integration des Kanban Maturity Models (KMM)

Die in Kanban ESP definierten Metriken bieten Optionen zur Bewertung der Prozessqualität und Systemfitness. Mit dem integrierten Kanban Maturity Model (KMM) lässt sich zudem der Reifegrad des Innovationsmodells bestimmen und konkrete Handlungen für Optimierungen ableiten. Das von David J. Anderson entwickelte KMM ist eine Weiterentwicklung des Capability Maturity Models (CMMI), das vorwiegend in den USA zur Bewertung des Reifergrades von IT-Unternehmen verbreitet ist.

Abb. 5: Capability Maturity Model und Kanban Board Designs

Bereits 2009 veröffentlichten H. Essmann und N. du Preez das ebenfalls vom CMMI abgeleitete Innovation Maturity Modell.

Organisations are required, now more than ever, to grow and mature their innovation capability – rending consistent innovative outputs. This paper describes research conducted to consolidate the principles of innovation and identify the fundamental components that constitute organisational innovation capability.

Abb. 7: Innovation Capability Maturity Model (ICMM), H. Essmann und N. du Preez, 2009

Das erst zum Jahresende 2017 vorgestellte Kanban Maturity Model (KMM) bietet Transformationsschritte zur Steigerung des Reifegrades von Organisationen. Damit ist die Stärke des Modells nicht die Beurteilung “Wo stehen wir?”, sondern die integrierte Roadmap “Was müssen wir tun, um den nächsthöheren Reifegrad zu erreichen”. Insofern ist die Bezeichnung “Maturity Model” untertrieben. Genau genommen ist es ein vollwertiges “Knowledge Work Organization Improvement Framework”.

 

Abb. 6: Kanban Maturity Model (KMM)

Das Agile Innovation Framework im Überblick

Durch die Verbindung mit Kanban ESP erhält das Agile Innovation Framework eine klare Team-, Rollen- und Meeting-Struktur. Die Integration agiler Vorgehensmodelle (z.B. Design Sprints) liefert klare Arbeitsabläufe. Das neue Kanban Maturity Model liefert konkrete Metriken und Fitnesskriterien zur Evaluation des Reifegrades agiler Praktiken. Es bietet zudem konkrete Handlungsoptionen zur Erhöhung des Reifegrads.

Abb. 8: Agile Innovation Framework, F. Schultheiss 2017

Diskussion

Es scheint möglich, dass das Agile Innovation Framework “nur” ein Kanban Enterprise Service Planning System ist, mit dem Innovationen umgesetzt werden. Es gibt dabei den Rahmen, in dem andere Frameworks, wie Scrum oder Design Thinking konsistent funktionieren. Die Wirksamkeit besteht dann aus der effizienten Verknüpfung und dem Zusammenspiel unterschiedlichen Vorgehensmodelle. Dagegen sprechen die hier noch nicht weiter vorgestellte Fokussierung auf Innovationen, so dass die Diskussion nicht abschließend beendet werden kann. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Unterstützung der Kreativität und Ideengenerierung von Beginn an, die hier ebenfalls noch nicht weiter vorgestellt wurden. Das gesamte Agile Innovation Framework wird beim DIGITAL INNOVATION CAMP im Mai 2018 vorgestellt.

Frank Schultheiss, 2017

 

Sources

Du Preez, Niek & Louw, Louis & Essmann, Heinz. (2017). An Innovation Process Model for Improving Innovation Capability.

Taferner, Benjamin. (2017). A NEXT GENERATION OF INNOVATION MODELS? AN INTEGRATION OF THE INNOVATION PROCESS MODEL BIG PICTURE © TOWARDS THE DIFFERENT GENERATIONS OF MODELS. Review of Innovation and Competitiveness. 3. 47 – 60.

Du Preez, Niek & Louw, Louis. (2008). A framework for managing the innovation process. 546 – 558. 10.1109/PICMET.2008.4599663.

Rothwell, Roy. (1994). Towards the Fifth-Generation Innovation Process. International Marketing Review. 11. 7-31. 10.1108/02651339410057491.

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